Juli 2016

«Eine frühzeitige Pensionierung kam für mich nicht in Frage»

Nach meiner Knieoperation im 2013 schickte mich die IV für ein halbes Jahr in die GEWA in eine berufliche Abklärung und ein Arbeitstraining. Das war gut, so wusste ich etwas zu tun. Natürlich war das Arbeitsniveau tiefer als früher auf dem Bau, es gab keinen Stress mehr. Es war aber auch sonst ganz anders, z.B. dass einem am Abend gedankt wurde, wo man früher ausser Vorwürfen nie etwas hörte. Das machte mich zufriedener und ruhiger, auch in der Freizeit. Meine Familie und Kollegen finden, ich sei damals ein anderer Mensch geworden.

Weiterarbeiten wie bisher war nicht mehr möglich

Ich hatte ursprünglich Maler gelernt und war viele Jahre in diesem Beruf tätig. Dann arbeitete ich fast 20 Jahre lang als Gipser. Da man beim Gipsen häufig auf den Knien ist, war eines meiner Knie mit 62 Jahren so stark abgenutzt, dass ich ein künstliches Gelenk bekam. Weiterarbeiten wie bisher war nun nicht mehr möglich. Darum kam die IV ins Spiel. Sie schlug mir eine frühzeitige Pensionierung vor, aber das kam für mich nicht in Frage.

Die erste Bewerbung seines Lebens brachte ihm Glück

Damals hätte niemand gedacht, dass ich ein Jahr später, 63-jährig, nochmals zu 100 Prozent festangestellt würde. Zuerst kam ich in die GEWA, um abzuklären, welche Tätigkeiten für mich gesundheitlich noch möglich wären. Ich verrichtete verschiedene Hauswartsarbeiten wie Fensterreinigung oder Gartenunterhalt. Ein halbes Jahr später konnte ich dank der Vermittlung meiner Begleitperson und durch die Finanzierung der IV ein Praktikum bei der HAFL (Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften) beginnen. Als die HAFL kurz darauf einen technischen Mitarbeiter suchte, schrieb ich mit Hilfe meines Betreuers in der GEWA die erste Bewerbung meines Lebens.

Es waren schöne zweieinhalb letzte Berufsjahre an der HAFL. Das Klima unter den Mitarbeitenden war locker und die Aufgaben machten mir Freude. Manchmal konnte ich wie früher wieder streichen: Zimmer oder das Schwimmbassin. Ich war überwältigt, wie viele Leute zu meinem Abschiedsapéro kamen und wie reich sie mich beschenkten, so als wäre ich zwanzig Jahre dort gewesen.

Fritz Fuchser (65) bekam mit 63 Jahren nochmals eine Festanstellung.
Fritz Fuchser (65) bekam mit 63 Jahren nochmals eine Festanstellung.
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