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Möchten Sie die GEWA näher kennelernen?

Diesen Donnerstag 14. Mai um 11:00 gewähren wir einen Blick hinter die Kulissen.

Die GEWA bietet mit ihrem Angebot neue Perspektiven. Im Webinar beantworten wir folgende Fragen:

  • Was verbindet aufbereitete Laptops, Depressionen und ein Mahlzeitendienst mit der GEWA?
  • Warum braucht es soziale Institutionen?
  • Welchen Tätigkeiten können Menschen, die psychisch herausgefordert sind in der GEWA nachgehen?

Zudem erzählt ein junger, psychisch herausgeforderter Mensch von seinem Alltag in der GEWA.

Wir freuen uns auf Sie.

 

Meine Erfahrungen mit ADHS

Dank der Diagnose ihres Sohnes hat eine Arbeitsagogin den Grund für ihre Konzentrationsschwierigkeiten gefunden. Sie erzählte uns, wie es dazu kam.

 

«Während der ganzen Schulzeit war mein Sohn sehr verhaltensauffällig. Er war der Klassenclown, sass nie still und hat viel Unsinn gemacht. Regelmässige Gespräche mit der Lehrerin waren an der Tagesordnung. Er zeigte zwar jedes Mal Einsicht und wollte sich bessern, aber es gelang ihm praktisch nie.

Als er in der achten Klasse war und die Probleme immer mehr zunahmen, hat mir eine Bekannte empfohlen, ihn auf ADHS abzuklären. Ihre Vermutung bestätigte sich mit der Diagnose der Ärztin. Diese schlug eine Medikation mit Methylphenidat (Ritalin) vor. Da ich viel Negatives über Ritalin gehört hatte, setzte ich mich intensiv damit auseinander. Mein Sohn war nicht einsichtig und verweigerte diese Unterstützung bis die Schulkommission ihn eines Tages vor die Tatsache stellte, dass er von der Schule verwiesen würde, sollte sich sein Verhalten nicht ändern. Endlich hat er sich dann entschieden, dem Ritalin eine Chance zu geben. Als er am ersten Tag der Einnahme nach Hause kam, war er völlig überwältigt, weil er sich voll auf den Unterricht konzentrieren konnte und in der Lage war, auch schwierigen Schulstoff zu begreifen. In den letzten beiden Schuljahren verbesserten sich seine Noten massiv. Seine anschliessende EFZ-Ausbildung hat er sogar als Klassenbester abgeschlossen.

Ich habe mich intensiv mit dem Thema ADHS befasst und stellte fest, dass viele Symptome auch auf mich zutrafen. Als ich herausfand, dass ADHS vererbbar ist, realisierte ich, dass auch meine Mutter etliche Eigenschaften aufwies. Dies war ein weiterer Grund, mich zu einer Abklärung anzumelden. In dieser Zeit lernte ich für eine Prüfung und es bereitete mir grosse Mühe, den Lernstoff zu begreifen. Eine typische Eigenschaft von ADHS ist, dass man schnell abgelenkt wird und sieben Sachen anfängt, aber keine fertig macht. Es kam z.B. vor, dass ich während dem Lernen auf einmal am Bad putzen war. In meiner Verzweiflung probierte ich eines Tages ein Ritalin meines Sohnes aus. Einige Minuten später trat die Wirkung ein und ich war auf einmal hoch fokussiert; wie mit einem Tunnelblick. Ohne Probleme kapierte ich den Stoff und konnte mehrere Stunden lernen, ohne mich ablenken zu lassen.

Nachdem der Psychiater mein Verhalten analysiert hatte, mir aber die Diagnose ADHS nicht klar geben konnte, da ich in Vielem sehr organisiert sei, erzählte ich ihm von meiner Erfahrung mit dem Ritalin. Da die Wirkung nur bei ADHS-Betroffenen so auftritt, bestätigte er mir die Diagnose und ich erhielt das Medikament Concerta. Mit diesem Hilfsmittel kann ich mich endlich konzentrieren, fokussierter arbeiten und der grosse Berg an Gedanken wird überwindbar, da ich ihn Step by Step abtragen kann.

Ich habe vor einigen Jahren sogar ein Studium zur Arbeitsagogin begonnen und die Höhere Fachprüfung erfolgreich absolviert. Dass ich diese Leistung vollbringen konnte, macht mich schon etwas stolz.»

Mutter und Sohn im Gespräch
ADHS ist vererbbar und betrifft oft mehrere Familienmitglieder