September 2016

«In der GEWA bekam ich die Unterstützung, die ich brauchte»

Mein Lehrabschluss war ein Geschenk, er fiel genau auf meinen 25. Geburtstag. Eine abgeschlossene Lehre ist wichtig. Damit hat man nachher gute Chancen. Mein Beruf Logistikerin ist abwechslungsreich: Man ist viel auf den Füssen und braucht eine gute Konzentration. In diesem Bereich möchte ich mich beruflich weiterentwickeln.

Selbstversuch im Rollstuhl

Meine Abschlussarbeit schrieb ich über Querschnittlähmung. Das Kernstück war ein Selbstversuch, wofür ich mir einen Rollstuhl auslieh. Ich testete die Hilfsbereitschaft fremder Menschen, indem ich beim Einkaufen in der Migros nur Produkte aus dem obersten Regal wollte. Die Reaktionen waren ganz unterschiedlich. Sehr unangenehm war es, wenn die Leute über mich hinwegsahen oder mich nicht wahrnahmen. Ausserdem fühlte ich mich aus dieser Warte erstaunlich klein. Ich glaube, dass ich durch das Experiment offener, aufmerksamer und hilfsbereiter geworden bin.

Den Boden unter den Füssen verloren und wieder gewonnen

Ich ging einen weiten Weg, bis ich dort ankam, wo ich heute bin. Meine erste Lehre als Gärtnerin musste ich kurz vor dem Abschluss abbrechen. Ich litt unter Schmerzen und psychischen Problemen. Weil das Verhältnis zu meinen Eltern damals schwierig war, schlug die IV mir vor, für einige Zeit wegzugehen. Als die Stiftung, wo ich wohnte, dann von einem Tag auf den anderen viel Personal entliess, zog mir das den Boden unter den Füssen weg. Meine Noten wurden schlecht, ich zog mich immer mehr zurück und wurde wieder krank.

Ich wusste, so konnte es nicht weitergehen. Zum Glück wurde ich dann auf die GEWA aufmerksam gemacht. Hier bekam ich die Unterstützung, die ich brauchte. Ich bin jetzt in einer langen stabilen Phase mit Hochs und Tiefs, wie alle sie haben. Ich habe gemerkt, wie wichtig für mich eine gute Umgebung ist. Und ich habe aufgehört, weit im Voraus zu planen und mir Sorgen zu machen. Eins ums andere. Als nächstes kommt die Autoprüfung.

Rahel Müller (25): Schaut zuversichtlich in die Zukunft
Rahel Müller (25): Schaut zuversichtlich in die Zukunft
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