März 2016

«Der Weg ist weit. Ich nehme ihn auf mich»

Nachdem ich fast zehn Jahre als Gärtner gearbeitet hatte, änderte sich plötzlich mein ganzes Leben: Ich rutschte in eine Krise, bekam Depressionen und Ängste. Nach mehreren Klinikaufenthalten kam ich im Mai 2011 in die GEWA.

Ich wollte wieder Fuss fassen und arbeitete fünf Jahre in der Abteilung Gartenbau, bis mich meine psychischen Probleme wieder einholten. Ich hatte Probleme im Umgang mit anderen Leuten und ich fiel wieder in ein Loch. Die Arbeit im Gartenbau wurde zur Achterbahnfahrt für mich, sowohl psychisch als auch körperlich.

Ich habe mich aber immer wieder gefangen, auch durch die Hilfe meiner Bezugsperson im Gartenbau, die mich immer unterstützt, mich wieder aufgefangen und mir an schwierigen Tagen Mut gemacht hat. Rückblickend waren die Jahre im Gartenbau eine gute Erfahrung für mich.

Der neue Job lenkt von der Krankheit ab

Um den Kopf ein wenig frei zu kriegen, wagte ich einen Neuanfang: Seit Januar 2016 bin ich Chauffeur beim Kurierdienst. Ich muss zwar wieder viele neue Dinge lernen, glaube aber, dass die Abwechslung mir helfen wird. Ich habe viel Kontakt mit Kunden, bin für das Auf- und Abladen von Waren zuständig und arbeite auch mit der Logistik zusammen. Es ist eine Erleichterung für mich, nicht mehr die schwere körperliche Arbeit im Gartenbau zu verrichten. Manchmal ist es schwierig, mit den vielen neuen Eindrücken umzugehen, doch ich arbeite an mir, auch mit Hilfe von psychologischer Betreuung. Der Weg ist weit, aber ich habe ihn auf mich genommen. Ich hoffe, mein neuer Job als Chauffeur ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Schritt für Schritt zum Traumjob

Ich habe viele Fortschritte gemacht seit ich in der GEWA bin: Ich bin viel offener geworden, habe zahlreiche neue Dinge gelernt, bin inzwischen selbständiger und selbstbewusster und konnte zu Hause ausziehen. Ich hoffe, dass ich auf einem guten Weg bin, habe aber dennoch Angst, dass mir meine psychischen Probleme wieder einen Strich durch die Rechnung machen könnten.

Und doch will ich weiter vorankommen. Mein Ziel ist es, eine dreijährige Ausbildung in einem sozialen oder gesundheitlichen Beruf machen zu können. Ein Traumjob für mich wäre Streetworker; ich würde gerne auf die Strasse gehen und Obdachlosen helfen. Bis ich soweit bin, wird es noch eine Weile dauern. Am wichtigsten ist es für mich, gesund zu werden. Mein Traum für die Zukunft ist es, gesund zu sein und mein Leben geniessen zu können.

Vom Garten auf die Strasse auf die Füsse: Fabian Affolter wagte einen Neuanfang als Chauffeur.
Vom Garten auf die Strasse auf die Füsse: Fabian Affolter wagte einen Neuanfang als Chauffeur.
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