August 2017

«Heute kann ich zu mir stehen»

Als ich 13 war erkrankte ich an Anorexie (Magersucht). Trotz meiner Probleme absoliverte ich eine Ausbildung zur Pflegeassistentin. Nach der Ausbildung arbeitete ich ein Jahr auf diesem Beruf. Meine Gesundheitliche Situation verschlechterte sich. Einen Klinikaufenthalt konnte ich nicht mehr verhindern. Der Aufenthalt lief gut. Leider wurde ich sofort wieder rückfällig. Ich gefährdete mein Leben von Tag zu Tag mehr. Ich durfte von meinem Arzt aus nicht mehr auf meinem gelernten Beruf  arbeiten. So kam die Invalidenversicherung Bern ins Spiel. Sie rieten mir, eine berufliche Umschulung zu wagen.

Arbeiten im Verkauf war mein Traum

Ich wollte in den Verkauf einsteigen. So vermittelte mir die IV-Stelle ein dreimonatiges Aufbautraining in der Bärner Brocki. Das Aufbautraining vermittelt einfachere und nach Möglichkeit zunehmend auch komplexere Arbeiten. Die praktische Tätigkeit wird ergänzt durch Elemente wie Bewerbungstraining und Übungsmodule. Das Ziel war, während dem Training das Pensum weiter zu steigern, denn ich wollte im Sommer eine Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau in der Bärner Brocki beginnen. Leider konnte ich mein Pensum nicht mehr steigern. Ich wog mit einer Grösse von 1.72 m nur noch 40 Kilo. Mein Leben war stark gefährdet und eine Eingliederung in in die Privatwirtschaft wurde undenkbar. Drei Jahre später sprach mir die IV-Stelle eine Rente zu. So arbeite ich heute noch in der Bärner Brocki.

Meine Arbeit ist abwechslungsreich

In der ersten Zeit arbeitete ich als Springerin in den Bereichen: Mode-Aufbereitung, im Cafe Wohnzimmer, in der Buchabteilung und der Kasse. In den letzten 3 Jahren arbeite ich fest in der Mode-Aufbereitung und einmal in der Woche an der Kasse. In allen Bereichen war es spannend und abwechslungsreich.

Die Bärner Brocki ist meine Stütze

Die Bärner Brocki hat mir extrem geholfen und ist eine grosse Stütze. Vor 3 Jahren verringerte sich mein Gewicht erneut drastisch. Meine Gesundheit verschlechterte sich immer mehr. Mein Arzt, meine Eltern, mein Therapeut und meine Vorgesetzte waren einer Meinung: Eine Ausszeit von 2 Monaten ist notwendig. In dieser Zeit erkannte ich, dass ich bald an einem Organversagen sterben werde. Mir wurde klar, ich muss mich für oder gegen das Leben entscheiden. Ich entschied mich für das Leben. Dafür musste ich meine Krankheit erkennen und an ihr arbeiten. Und kurz darauf startete ich wieder mit einem Pensum von 30 % in der Mode-Aufbereitung. Heute arbeite ich 65 %. Stetige Gewichtszunahme machte das möglich. Ich arbeitete intensiv an mir. Mit meinen Vorgesetzten besprach ich immer wieder das weitere Vorgehen. Mit meiner Entscheidung für das Leben und der Unterstützung von allen Seiten konnte ich an Gewicht gewinnen. Auch der gute Zusammenhalt im Team hat geholfen. Heute wiege ich 69 Kilo und bin seit einem Jahr stabil. Mein Privatleben hat sich zum Guten verändert. Ich bin eine unternehmungslustige, aktive junge Frau und kann immer mehr zu mir und meinem Körper stehen.

Lebe deinen Traum

Ich will wieder in der Privatwirtschaft arbeiten und eine Ausbildung absolvieren. Um das zu erreichen, muss ich mein Pensum auf 70 % steigern und am Bewerbungstraining der GEWA teilnehmen. Ich weiss, dass das nicht von heute auf Morgen passiert. Schritt für Schritt will ich vorwärts gehen und nicht aufgeben. Mit genügend Unterstützung wage ich den Schritt nach draussen. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass ich stabil bleibe, meine Krankheit überwinde und die Welt bereisen kann. Ausserdem träume ich davon eine Familie zu gründen und von einem Eigenheim. Das wichtigste für mich ist, vorwärts zu schauen. Träume nicht dein Leben – lebe deinen Traum. Nach diesem Motto lebe ich täglich.

Helene Hänni (29): Fand in der GEWA neue Lebensfreude
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