Juni 2017

Das Trauma und der Traum

Schon in meiner Jugend arbeitete ich in der Gastronomie. Ich habe die Ausbildung zum Restaurationsfachmann in der öffentlichen Privatwirtschaft gemacht. Schon damals machte mir der Beruf Spass. Ich wurde während der Lehre immer von meinen Berufsbildnern unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar. Ein Sauerstoffmangel bei der Geburt hat bei mir ein Geburtstrauma ausgelöst. Ein Geburtstrauma entsteht durch Komplikationen während der Geburt. Es entstehen körperliche oder psychische Beeinträchtigungen bei dem Neugeborenen. Deswegen bin ich langsamer bei der Arbeit als die Anderen.

Schlechte und gute Erfahrungen

Nach der Lehre hatte ich zwei Arbeitsstellen, bei denen meine Vorgesetzten mein Arbeitstempo akzeptierten und mich respektierten. Ich bekam ich die nötige Unterstützung. Das war leider nicht überall der Fall. Am letzten Arbeitsplatz mobbten mich meine Arbeitskollegen. Das war der Hauptauslöser warum ich mich bei der IV meldete. So konnte es nicht mehr weitergehen.

Zum Wunschberuf trotz Handicap

Ich machte eine drei Monatige Abklärung in der GEWA. Danach musste ich die GEWA wieder verlassen. Ich musste zuerst den Bescheid der IV abwarten, ob ich einen Rentenanspruch habe. Ich arbeitete anschliessend während einem Jahr bei der HAFL, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften. Dann wurde mir eine 100% Rente gesprochen. Mein Arbeitgeber konnte mich nicht weiter beschäftigen, da er keine Arbeitsplätze für IV-Bezüger anbieten konnte. Ich bewarb mich zuerst bei einer anderen Einrichtung für berufliche Integration. Ich wurde aber nicht ernst genommen und bis heute nicht zurückgerufen. Da dachte ich wieder an die GEWA und ich meldete mich. Leider war zu dieser Zeit nur eine befristete Stelle frei. Knapp einen Monat später bekam ich das Angebot für einen angepassten Arbeitsplatz im Restaurant Esperanza. Seit vier Jahren arbeite ich nun hier. Mir gefällt, dass ich trotz meines Handicaps meinen Wunschberuf ausüben kann. Dass ich eine Tagesstruktur habe und nicht zu Hause sitzen muss. Am liebsten arbeite ich an der Kasse. Denn hier habe ich täglich Kundenkontakt.

Der Traum der freien Wirtschaft

Für die Zukunft wünsche ich mir weiterhin gute Gesundheit. Ich träume davon, dass Leute wie ich in der Arbeitswelt einen Platz finden und dass man dort mein Handicap akzeptiert. Zum Beispiel in der Gastronomie oder im Verkauf. Es ist mein Traum, dass es mehr solche Arbeitsstellen gibt, denn ich will mitanpacken und etwas bewegen.

Martin Krebs (38): «Ich will gleichwohl voll mithelfen»
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