Mach das Beste draus

Ich bin 49 Jahre alt und in Worb aufgewachsen. Während meiner Schulzeit interessierte ich mich mehr für Fussball und Eishockey als fürs Lernen. Ich war ein extremer Rebell, konnte mich nicht unterordnen und liess mir von niemandem etwas sagen. Das machte die Situation zu Hause nicht einfach. Meine Eltern und ich verstanden uns überhaupt nicht. Mit 14 Jahren geriet ich auf die schiefe Bahn. Ich begann zu trinken.

Kampf gegen die Sucht

Süchtig war ich vom ersten Suff an, weil es mir gefallen hat. Mein Alltag wurde vom Alkohol bestimmt. Am Morgen musste ich schon zwei Flaschen trinken, um überhaupt in die Gänge zu kommen. Über den Tag hinaus habe ich mich mit kleinen Schnapsfläschchen über Wasser gehalten. Und am Abend habe ich mit Bier und Schnaps weitergemacht. Dreimal wurde ich wegen Trunkenheit am Steuer angezeigt. Trotzdem schaffte ich in der Migros eine Verkäuferlehre. Danach habe ich jahrelang einfach gejobbt. Ich habe immer gearbeitet und war nie länger als vier Wochen arbeitslos.

Meine Rettung war dann ein Richter, der sagte: «Entweder gehst du drei Monate nach Witzwil ins Gefängnis oder du machst einen Monat lang eine Kur in einer Klinik.» Weil ein Monat weniger ist als drei, entschied ich mich für einen Alkoholentzug in der psychiatrischen Klinik Waldau. Heute bin ich seit 25 Jahren trocken. Am Anfang musste ich schon damit kämpfen, dass ich nichts trinken darf. Aber das Nüchternsein schenkte mir ein ganz neues und positives Lebensgefühl.

Gesundheit als wichtigstes Gut

In meinem bisherigen Leben bin ich von einigen schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen heimgesucht worden. Nach meiner Abkehr vom Alkohol habe ich mich extrem auf die Arbeit konzentriert. Bis mir alles zu viel wurde. 2010 hatte ich ein Burnout. Von einem Tag auf den anderen ging einfach nichts mehr. Mein Arzt musste mich krankschreiben und später meldete ich mich bei der Invalidenversicherung an. Die beruflichen Eingliederungsmassnahmen führten mich in die GEWA und erstmals in die Bärner Brocki. Nie zuvor und an keiner anderen Arbeitsstelle habe ich mich so willkommen, wertgeschätzt und wohl gefühlt. Ich finde dazu fast keine passenden Worte. Sechs Monate durfte ich dort arbeiten.

Die Eingliederung war erfolgreich und ich fand bei der Galexis in Niederbipp eine Stelle in der internen Post. Leider war die Anstellung nicht von langer Dauer, denn nach 1 ½ Jahren meldete sich mein Burnout zurück. Zudem hatte ich im September 2013 einen richtig schweren Herzinfarkt. Damals hat mir meine Frau das Leben gerettet, weil sie mich rechtzeitig reanimierte. Sonst wäre ich jetzt tot.

Im Spital lag ich tagelang im Koma. Ich hatte einen grossen Sauerstoffmangel erlitten und war halbseitig gelähmt. Die Ärzte prophezeiten meiner Frau schon, dass ich wohl grosse kognitive Einschränkungen haben würde. Gott sei Dank kam es nicht derart schlimm. Trotzdem musste ich mich physisch und psychisch ins Leben zurück kämpfen. Die IV wurde reaktiviert und 2015 kam ich erneut in ein Wiedereingliederungsprogramm. Dann bekam ich meinen zweiten Herzinfarkt. 2017 wurde mir endlich eine halbe Rente zugesprochen.

Ich habe mich wieder in der Brocki für eine Stelle beworben und hatte Glück. Heute arbeite ich zu 50% an einem angepassten Arbeitsplatz im Bereich Möbel. Ich bin zufrieden und mache jeden Tag das Beste aus meiner Situation.

Daniel Beer (49): bei der Arbeit ein Perfektionist
Daniel Beer (49): bei der Arbeit ein Perfektionist