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Möchten Sie die GEWA näher kennelernen?

Diesen Donnerstag 14. Mai um 11:00 gewähren wir einen Blick hinter die Kulissen.

Die GEWA bietet mit ihrem Angebot neue Perspektiven. Im Webinar beantworten wir folgende Fragen:

  • Was verbindet aufbereitete Laptops, Depressionen und ein Mahlzeitendienst mit der GEWA?
  • Warum braucht es soziale Institutionen?
  • Welchen Tätigkeiten können Menschen, die psychisch herausgefordert sind in der GEWA nachgehen?

Zudem erzählt ein junger, psychisch herausgeforderter Mensch von seinem Alltag in der GEWA.

Wir freuen uns auf Sie.

 

«Ich habe nur dieses eine Leben»

Wer bin ich und wieso bin ich auf dieser Welt? Diese Fragen stelle ich mir seit meiner Kindheit. Meine sehr turbulente Vergangenheit warf mich immer wieder zurück. Ich wollte und konnte nicht mehr damit umgehen, bis der Tag kam, der alles veränderte.

Es ist viel passiert

Meine Kindheit verlief nicht so, wie man es sich wünscht. Jahrelange körperliche Gewalt bis hin zu Mobbing, das war leider mein Alltag. Gegen aussen konnte ich mein Leiden nicht zeigen. Meine grösste Stärke war es, andern zu helfen und meine grösste Schwäche war es, mir selbst zu helfen. Selbstvertrauen hatte ich noch nie. Meine «Maske» half mir, dass ich es schaffte, überhaupt mit Menschen zu sprechen. Für andere war ich immer die humorvolle und aufgestellte Person. Das konnte ich sehr gut spielen. Wenn ich abends im Bett lag, verlor ich die Kontrolle über meine Gefühle und weinte Nächte lang. Dies ging so lange, bis ich mit mir selbst nicht mehr klar kam. Ich wollte nicht so weiter leben. 2016 und 2017 war ich fast nur in Kliniken. Ich hatte extrem mit Borderline-Störungen zu kämpfen, litt an Depressionen, hatte Dissoziationen und machte Suizidversuche. Ich war am Boden zerstört und alles was war, brach auf einmal aus mir heraus. Es war für mich sehr herausfordernd, weil ich mich mit mir selbst beschäftigen musste. In dieser Zeit war nur noch meine Familie für mich da, viele wussten nicht mehr, wie sie mit mir umgehen sollten. Für mich war das noch mehr eine Erniedrigung, da ich nicht «bemuttert» werden wollte. In dieser Zeit habe ich für mich sehr viel gelernt. Mein damaliger Freund nahm mich so wie ich war und half mir dabei, das Leben positiver zusehen.

Schwieriger Start ins Berufsleben

Zwei Berufslehren musste ich abbrechen. Die Ausbildung als Automatikmonteurin wegen einer Metallstauballergie und die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit wegen psychischen und körperlichen Schwierigkeiten. Ende 2017 entschied ich mich für ein betreutes Wohnen, da ich Angst hatte, meine Selbstverletzungen nicht im Griff zu haben. Langsam stabilisierte sich meine psychische Verfassung. Nach 9 Monaten sicheres Wohnen trat ich aus dem betreuten Wohnen aus und zog mit meinem damaligen Freund zusammen.

Im Oktober 2018 war ich genug stabil für den Wiedereinstieg ins Berufsleben. Durch die IV begann ich eine berufliche Integration in der GEWA. Am Anfang arbeitete ich 30% und steigerte mich bis Juli 2019 auf 100%. Meine Ziele waren es, dass ich mich auf mich selbst und meine Arbeit konzentrieren konnte. Ich musste lernen, nicht alles auf einmal zu machen. Das ist mir nicht immer gut gelungen - an diesem Thema werde ich sicher noch sehr lange dran bleiben müssen.

Meine Stabilität wurde so gut, dass ich an eine neue Ausbildung denken konnte. Mein grösster Wunsch war es, wieder in der Pflege zu arbeiten. Die IV fand, das sei keine gute Idee. Deshalb habe ich meinen Fokus erweitert und mich schliesslich auch mit dem Beruf Kauffrau als Grundbildung angefreundet.

Start der KV-Ausbildung

Am 01. August 2019 startete ich meine KV-Ausbildung in der Abteilung Logistik-Administration der GEWA. Ich arbeitete schon vor der Ausbildung in dieser Abteilung und daher viel mir der Start leicht. 

Selina Nacht sieht der Sinn des Lebens wieder
Selina Nacht sieht der Sinn des Lebens wieder

Von Anfang an konnte ich viel Verantwortung übernehmen und spürte, dass es mich braucht. Dieses Gefühl war für mich unbeschreiblich. Die Aufgaben waren sehr abwechslungsreich.
Nach einem halben Jahr wechselte ich in die Abteilung Kommunikation. Dieser Start fiel mir schwer. Die Tätigkeiten waren ganz anders und vor allem neu für mich. Ich durfte bei einem Interview dabei sein und die Mutmacher-Geschichte selbst schreiben.
Nicht nur das Schreiben von Texten ist in dieser Abteilung wichtig, sondern auch die Marketingmassnahmen zu analysieren. Dafür besuchte ich bei Google verschiedene Kurse zum Thema Marketing. Durch meine Zeit in dieser Abteilung schaffte ich es, meine Ängste zu überwinden und neues anzugehen.

Im August werde ich in eine neue Abteilung wechseln und bin schon sehr gespannt, was dort auf mich wartet.

Und wie sieht mein Privatleben aus?

Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie und mit meinen Freunden. Zudem habe ich ein breites Feld an Hobbys. Ich spiele sehr gerne Fussball und spielte beim FC Rubigen. Seit einem Jahr muss ich verletzungsbedingt pausieren. Mein grösster Wunsch ist es, dass ich wieder aktiv spielen kann. Im Moment lerne ich gerade Trompete zu spielen. Ich mag Guggenmusik und deshalb bin ich zu den «Notäfrässer aus Münsingen».  Ein weiteres Hobby ist das Powerchair Hockey. Ich bin für den Verein Rolling Thunder Bern als Schiedsrichterin im Einsatz, auch da muss ich leider verletzungsbedingt pausieren. Zudem bin ich oft an einem Eishockey Match des SC Bern anzutreffen.

Ich bin stabiler geworden

In der GEWA fühle ich mich sehr wohl und gehe gerne zur Arbeit. Ich kann hier sehr selbständig arbeiten. Es macht mir Freude, wenn ich sehe, dass ich etwas erreicht habe. Ich habe viel mehr Lebensqualität als früher. Am Selbstvertrauen hapert es noch ein wenig, aber ich arbeite daran. Durch mein Job Coach, Andy Gygli habe ich schon viel erreicht. Auch wenn es Rückschläge gibt, ich gebe mich nicht mehr auf.