Ich bin ein Gesellschaftsmensch

Seit November 2018 arbeite ich in der GEWA in Zollikofen im kaufmännischen Bereich. Die Jahre davor waren sehr turbulent. 2016 und 2017 verbrachte ich fast nur in Kliniken. Ich hatte extrem mit Borderline-Störungen [1] zu kämpfen, litt an Depressionen und machte Suizidversüche.

Schwieriger Start ins Berufsleben

Zwei Berufslehren musste ich abbrechen. Die Lehre als Automatikmonteurin wegen einer Metallstauballergie und die Ausbildung zur Fachperson Betreuung wegen psychischen Schwierigkeiten. Im Oktober 2017 kam ich ins betreute Wohnen der GEWA nach Spiez. Ich bekam dort u.a. grosse Unterstützung in administrativen Belangen. Ich musste eine Riesenbeige aufarbeiten, weil 2017 alles liegen geblieben ist. Langsam stabilisierte sich meine psychische Verfassung. Im Juli 2018 trat ich in Spiez aus und zog mit meinem Freund in eine eigene Wohnung in Rubigen.

In der GEWA arbeite ich 50% und beziehe IV-Taggelder. Meine Ziele hier sind, dass ich mich auf mich und meine Arbeit konzentrieren kann. Und ich muss lernen, nicht alles auf einmal zu machen. Ich bin jetzt im Belastbarkeitstraining. Danach kommt das Aufbautraining. Die IV hat mir geraten, in dieser Zeit keine beruflichen Entscheidungen zu treffen.

Trotzdem mache ich mir Gedanken über meine Zukunft. Ich wollte eigentlich immer wieder in die Pflege zurück, aber die IV findet, das sei keine gute Idee. Deshalb habe ich meinen Fokus ausgeweitet und mich schliesslich auch mit dem KV als Grundbildung angefreundet. Für diese Berufsrichtung muss ich dringend meine Fremdsprachenkenntnisse verbessern.

Und wie sieht mein Privatleben aus?

Ich habe sehr viele soziale Kontakte. Ich brauche Gesellschaft. Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie. Auch habe ich ein breites Feld an Hobbies. Gerne spiele ich Fussball. Ich bin im FC Rubigen und spiele dort in der 4. Liga. Ich habe schon auf allen Positionen gespielt. Im Moment werde ich als Goalie eingesetzt und trainiere 2 Mal pro Woche. Dann bin ich in einer Gugge Musig. Sie heisst Guggemusig Notäfrässer Münsingen. Im Moment lerne ich gerade Trompete und bin sonst Fahnenträgerin. Ein weiteres Hobby ist das Elektrorollstuhl-Hockey (abgekürzt: E-Hockey). Ich bin für den Verein E-Hockey Rolling Thunder Bern als Schiedsrichterin im Einsatz.

Ich bin stabiler geworden

In der GEWA fühle ich mich sehr wohl. Ich gehe gerne zur Arbeit. Ich kann hier sehr selbständig arbeiten. Es macht mir Freude, wenn ich sehe, dass ich etwas erreicht habe. Ich bin stabiler geworden. Ich habe viel mehr Lebensqualität als früher. Am Selbstvertrauen hapert es noch ein wenig, aber ich arbeite daran.




[1] Borderline-Störungen sind zu einem Spiegelbild der Zerrissenheit unserer Zeit geworden. Menschen mit einer Borderlinestörung leiden an ihrer ausgeprägten seelischen Instabilität. Dabei handelt es sich nicht nur um die üblichen Stimmungsschwankungen, sondern eine tiefgreifende „Achterbahn der Gefühle“ mit einem Muster von Selbstabwertung und Selbstschädigung bis hin zu schweren Selbstverletzungen und Suizidversuchen.

Selina Nacht (23) hat viele Hobbies
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