Bipolare Störung

Eine Krankheit mit zwei Extremen

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Die bipolaren Störungen zählen zu den schweren psychischen Erkrankungen mit grossen persönlichen, sozialen und ökonomischen Konsequenzen. Betroffene beschreiben diese psychische Herausforderung oft als Leben auf einer Achterbahn: einmal himmelhochjauchzend, dann wieder zu Tode betrübt. Diese extremen Stimmungsschwankungen sind auch für Angehörige nur schwer zu ertragen. Insbesondere stellt die psychische Erkrankung eines Elternteils für Kinder eine grosse Belastung dar. Es ist gefährdet, körperliche oder psychische Gewalt und Vernachlässigung zu erfahren. Es leidet unter Ängsten und Schuldgefühlen, übernimmt oft viel Verantwortung und läuft Gefahr, letztlich selbst krank zu werden.



Mein Vater hat eine bipolare Störung – so war meine Kindheit

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Von Carlos Molina, Psychologe lic. phil. I, Fachperson Arbeitsmarktlich-Medizinische Abklärung der GEWA

Bipolare Störung und Beruf

Vor welchen Herausforderungen stehen Menschen mit einer bipolaren Persönlichkeitsstörung, wenn es um die Berufswahl oder um die Reintegration in die Arbeitswelt geht?

Aller Aufklärung zum Trotz haben es Menschen mit einer psychischen Krankheit in der Arbeitswelt generell immer noch schwerer, als Menschen mit einer physischen Beeinträchtigung. Sie stossen oft auf viel Unverständnis. Eine bipolare Störung ist eine Krankheit mit zwei Extremen. Aus diesem Grund sind auf jeden Fall Unregelmässigkeiten zu vermeiden. Beispielsweise sind Schichtarbeiten weniger geeignet, ebenso stark variierende Tätigkeiten. Stress sollte so weit wie möglich vermieden werden. Es kommt immer wieder vor, dass Menschen in einer manischen Phase sehr/zu viel Geld ausgeben. Aus diesem Grund sollten sie nicht zu viel Verantwortung, z.B. über Finanzen, haben. Auch Arbeiten, in denen übermässig viele Überstunden geleistet werden oder Tätigkeiten, in denen eine ständige Erreichbarkeit gefordert ist, sind wenig geeignet. Im Prozess der Berufswahl benötigen junge Menschen sicher auch Unterstützung für eine realistische Berufswahl.

Auf der anderen Seite kann ein unterstützendes familiäres Umfeld hilfreich sein. Genauso ein verständnisvoller Arbeitsgeber bei der Rückkehr nach einem Klinikaufenthalt, z.B. für die Impulskontrolle. Wichtig für den Umgang der Betroffenen mit dieser psychischen Herausforderung sind Krankheitswahrnehmung und  Krankheitsakzeptanz. Ein Indikator hierfür kann sein, ob jemand die verschriebenen Medikamente nimmt oder nicht. Als Therapieform hat sich bei bipolaren Störungen, neben der Medikation, ein praxisorientiertes Coaching bewährt. Ich denke, wenn diese drei Systeme, privates Umfeld, Arbeitgeber und Coach gut ineinander greifen, kann dies eine Ausbildung oder eine Reintegration in die Arbeitswelt sehr gut unterstützen.

Ein Job Coach kann zudem für den Arbeitgeber wichtige Übersetzungsarbeit leisten. Der Coach kann ihm für ihn oft unverständliches Verhalten erklären, damit der Arbeitgeber es besser einordnen kann. So ist ein Schritt zur Integration getan.

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