Mit viel Fingerspitzengefühl

Nach Jahren in der Pflege wurde Daniela* aus gesundheitlichen Gründen dazu gezwungen, sich beruflich umzuorientieren. In der GEWA sorgt sie heute unter anderem dafür, dass tausende Tee- und Gewürzmischungen sorgfältig verpackt werden. Dabei mag sie nicht nur die sinnvolle Tätigkeit, sondern auch den Arbeitsplatz, an dem sie sich geschätzt und willkommen fühlt.

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Ursprünglich hat Daniela Hotelfachassistentin gelernt. Nach einiger Zeit auf dem Beruf wurde in ihr der Wunsch grösser, näher am Mensch zu arbeiten. In einem Altersheim im Ort, in dem sie aufgewachsen ist, erhielt sie die Möglichkeit, ein Jahr lang als Aushilfe zu arbeiten. Während dieser Zeit entschied sich Daniela für die zweijährige Ausbildung als Betagtenbetreuerin. 26 Jahre lang war sie in diesem Betrieb tätig. Obwohl sie Vieles machen und Verantwortung übernehmen konnte, wuchs in ihr der Wunsch, auch an anderen Orten Erfahrungen zu sammeln.  
 

Mit dem Wechsel in eine andere Institution begann die Abwärtsspirale. Gesundheitlich ging es ihr immer schlechter, die Rückenschmerzen wurden immer schlimmer. Eine Krankschreibung zog sie nicht in Erwägung – zu gross ihr Pflichtgefühl den Bewohner:innen gegenüber, die sie pflegte. Bis es schliesslich nicht mehr ging. Der Wirbelsäulenorthopäde diagnostizierte eine totale Abnützung der Bandscheibe und sah als einzige Möglichkeit das operative Einfügen einer künstlichen Bandscheibe und die Versteifung eines Bereichs der Wirbelsäule. Da die Schmerzen so gross waren, entschied sich Daniela gegen die Operation.  
 

Mit den Beschwerden war nun ein Arbeitsalltag in der Pflege undenkbar und es folgte eine Anmeldung bei der IV. Kurz danach erwachte Daniela eines Morgens mit starken Schmerzen in den Fingern und diversen Gelenken, so, dass sie kaum mehr greifen konnte. Da die Schmerzen nicht nachliessen, vereinbarte sie einen Termin bei einer Rheumatologin und erhielt die Diagnose Polyartritis. Therapiert werden kann diese mit Medikamenten, erzählt Daniela: “Es gibt Momente, in denen es besser geht mit den Schmerzen und Momente, in denen wieder nichts mehr geht”.  
 

In einem nächsten Schritt ging es darum herauszufinden, welche beruflichen Perspektiven ihr blieben. In der GEWA konnte Daniela verschiedene Tätigkeiten ausprobieren, bis sie schliesslich in die Konfektionierung kam. In der Abfüllerei konnte sie beim Abpacken von Gewürzen und Duftölen mitarbeiten und einen grossen Bereich der damit verbundenen Tätigkeiten abdecken.  

Als ihr Eingliederungsprogramm der IV im April 2025 abgeschlossen war, wusste Daniela nicht wie weiter. Nach wie vor hatte sie keinen Entscheid von der IV, ob sie eine Rente erhalten würde oder nicht. Auch wusste sie nicht, wie sie mit ihren Ausbildungen und Einschränkungen im allgemeinen Arbeitsmarkt eine Stelle finden sollte. Mit dem Angebot, weiter in der Abfüllerei aushelfen zu können, fiel ihr ein Stein vom Herzen: “Es war wirklich wichtig, dass ich aus dem Haus rauskomme. Sonst hätte ich einfach gegrübelt.”  
 

Inzwischen hat Daniela den Vorbescheid der IV. In der Abfüllerei ist sie richtig routiniert. Wenn neue Aufträge von La Cucina reinkommen, bereitet sie die mit Tee oder Gewürzen zu befüllenden Säcklein in der richtigen Grösse vor, kontrolliert die Artikelnummern und überprüft die LOT- und Chargenummern. Sie findet die Arbeit interessant. Wenn die Säcklein abgefüllt sind – je nach Mischung maschinell oder von Hand – werden sie etikettiert. Das erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl. Danach werden sie eingeordnet. Wenn ein neuer Tee- oder Gewürz-Auftrag kommt, kann Daniela die Muster vorbereiten. Manchmal sind es 500 Säcklein für eine Tee- oder Gewürzmischung, manchmal 2000 Säcklein. Meistens arbeiten sie zu dritt an einer Sorte.  

Auch Öle von Aromalife füllt sie mit ihren Arbeitskolleg:innen von Hand in 5ml oder 10ml Fläschchen ab. Lavendelöl, Teebaumöl, Pfefferminzöl und viele andere. Davon sind es bis zu 3000 Fläschchen, die in einer Woche rausgehen müssen. Da die Öle sehr konzentriert sind, arbeiten sie hier mit Schutzbrille. Einzig beim Verschliessen mit dem Sicherheitsverschluss kann Daniela nicht unterstützen, das ist zu streng für ihre entzündeten Handgelenke. Auch hier erfolgt das Anbringen der Rundetikette und das anschliessende Einfügen in die beschrifteten Faltkartons von Hand. Eine anspruchsvolle Tätigkeit, die sehr viel Übung erfordert. Jetzt wo sie weiss, wie viel Arbeit hinter der Verpackung solcher Produkte steckt, sieht sie diese in den Regalen der Läden oder Drogerien mit anderen Augen.  

Bei der GEWA fühlt sich Daniela wohl: “Es wird auf jeden Einzelnen eingegangen, das ist genial. Wenn mal eine Tätigkeit weniger geeignet ist, schaut man für etwas anderes. Es wird sehr auf die individuellen Bedürfnisse geachtet und es herrscht ein sehr wohlwollendes Klima”. Sie mag ihre Arbeit in der Abfüllerei, insbesondere weil sie den Sinn darin sieht.  

 

 

 

*Name von der Redaktion geändert 

 

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