Von Anfang an dabei

Susanne erlebte die Geburtsstunde der GEWA hautnah mit. Als Sekretärin von Martin Ryser in der UPD Waldau wagte sie mit ihm den Sprung in die Selbständigkeit und stand ihm beim Aufbau seiner Geschäftsidee – der zukünftigen GEWA – zur Seite. Eine Entscheidung, die sie nie bereute, auch weil sie hier ihren zukünftigen Mann kennenlernte. Heute ist Susanne ein wichtiger Bestandteil des Finanzteams der GEWA.

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Susanne erinnert sich noch gut daran, wie sie damals mit einer Kollegin im Keller der UPD Waldau die Holzbuchstaben für den Versand bereitmachte. Es war der erste eigentliche Auftrag, mit dem die GEWA ihren Anfang nahm. Die Holzbuchstaben, eine Idee von Martin Ryser, stiessen auf so grosses Interesse, dass die Produktion nicht mehr im sogenannten Atelier der Arbeitstherapie in der UPD Waldau hätte abgewickelt werden können, für das er damals zuständig war. Für Martin Ryser war es der Startschuss in die Selbständigkeit und für Susanne war klar, dass sie ihn begleiten würde: «Das war ein Risiko. Aber erleben zu dürfen, wie sich ein Puzzleteil ums andere ergab, schenkte mir Vertrauen».  

 

Mit der grossen Nachfrage nach Holzbuchstaben wurde aus Rysers Vision Wirklichkeit: geschützte Arbeitsplätze ausserhalb der Klinik, mit Rahmenbedingungen, die frisch aus der Klinik entlassenen Menschen weitere Genesung ermöglichen und ihnen helfen, sich langfristig im Arbeitsmarkt zu stabilisieren.  

  

Das Geschäft nahm Fahrt auf. Im Oktober 1986 wurde schliesslich der Verein gegründet, mit Susanne als Sekretärin. Die junge GEWA bestand aus einer Schreinerei, einer Gartenbauabteilung, einer Elektromontage, einer Kantine und einem Büro für die Geschäftsleitung. Jeder Arbeitstag begann mit einer gemeinsamen Pause. Sitzungen fanden jeweils am Freitagnachmittag statt, erinnert sich Susanne, weshalb die Mitarbeitenden bereits am Mittag ins Wochenende verabschiedet wurden.  Ihr Strauss an Aufgaben wurde immer bunter, vieles wurde an sie delegiert. Zwar arbeitete sie hauptsächlich im Büro, deckte aber zu Beginn auch die Kasse in der Mittagszeit in der Kantine ab, bis dafür eine Person eingestellt wurde.  

 

In den ersten Monaten wurden offene Stellen vor allem durch Weitererzählen im Bekanntenkreis besetzt. Einer der Bewerber war Erich, der sich auf eine Allrounder-Stelle meldete und seine Arbeit am 1. März 1988 aufnahm. Ein halbes Jahr später waren Susanne und Erich ein Paar. Im Herbst 1989 heirateten sie und Mitte 1990 entschied Susanne, sich auf die Familie zu konzentrieren und ihre berufliche Tätigkeit vorerst aufzugeben. Erich blieb bis 2010 in der GEWA, wechselte in die Elektromontage und absolvierte berufsbegleitend die Ausbildung zum Arbeitsagogen. So war Susanne immer im Bilde, was in der GEWA lief.   

 

2015 sah Susanne, die nach ihrer Familienauszeit seit zwei Jahren wieder berufstätig war, eine offene Stelle in der Buchhaltung der GEWA. Tief in ihrem Inneren wusste sie, dass sie gerne wieder in einem Umfeld arbeiten würde, das Menschen am angepassten Arbeitsplatz unterstützt. «Dir ist schon bewusst, dass die GEWA nicht mehr dieselbe ist wie damals?», fragte sie Samuel Schmid im Vorstellungsgespräch. Susannes Antwort liess nicht lange auf sich warten: «Es wäre ja nicht die GEWA, wenn sie nicht ständig im Wandel wäre». Als sie die Zusage erhielt, war sie so überwältigt, dass sie zunächst sogar vergass, ihre Liebsten darüber zu informieren. Vieles in der Geschichte der GEWA grenzt für Susanne an ein Wunder. Ihre Rückkehr zur GEWA war für sie eines davon.   

 

Nächstes Jahr wird Susanne pensioniert. Damit geht eine Ära zu Ende. Gleichzeitig blickt sie mit Vorfreude auf den nächsten Abschnitt: «Ich merke, dass es gut ist, mich aufs Neue einzulassen. Ich bin tief dankbar, dass es die GEWA gibt. Ich freue mich für alle Menschen, die im Menschenhaus und an allen anderen Standorten ein- und ausgehen und ein wichtiger Teil der grossen GEWA sind.» 

 

 

Auszug aus der «SCHILDCHROTT Nr. 3 / Oktober 1987», dem damaligen Informationsblatt und Hauszeitung der GEWA (Text von Martin Ryser):

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